photokina: 27.–30.05.2020

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Künstliche Intelligenz: Fiktion vs. Realität

08.10.2019

Künstliche Intelligenz (KI) sorgt in der Digitalwirtschaft für Hoffnung, Hype und Hysterie. Der Photoindustrie-Verband (PIV) lud eine interdisziplinäre Expertengruppe dazu ein, Fiktion von realen Marktchancen zu trennen und konkrete Arbeitsfelder für die Imaging-Branche zu identifizieren.

Künstliche Intelligenz: Fiktion vs Realität

PIV Branchentalk

Auf dem Podium des PIV Branchentalk in Berlin diskutierten Dr. Reiner Fageth (CEWE), Marian Gläser (Brighter AI Technologies), Reinhard Karger (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz), Stefan Wolfgang Pickl (Universität der Bundeswehr), Ramzi Rizk (EyeEm), Florian Schild (boot.AI) und Jan Werth (Phytec).

Diskutanten PIV Branchentalk 2019

v. l. n. r. Ramzi Rizk, Dr. Reiner Fageth, Reinhard Karger, Jan Werth, Carmen Hentschel (Moderation), Stefan Wolfgang Pickl, Marian Gläser, Florian Schild.

Reinhard Karger und Florian Schild lieferten in Einzelvorträgen einen Überblick über die Trias menschlicher Wissensfähigkeiten, KI und Machine Learning. Daran anknüpfend stellten sich alle Diskutanten den Fragen, wie die Imaging-Branche von den aktuellen Entwicklungen profitieren kann, während die Grenzen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sowie Ethik nicht überschritten werden. Denn als entscheidenden Schlüsselfaktor für den Markterfolg betrachten die Teilnehmer das Austarieren von Convenience-Aspekten und dem Schutz der Privatsphäre.

Künstliche Inteliggenz

Aus Sicht der Experten besteht bei Services für intelligente Bildauswahl/Bildverwaltung, insbesondere mit mehr Automatiken und weniger Bedarf für manuelle Bedienung, ein hohes Marktpotenzial für KI-gestützte Lösungen. Des Weiteren sehen Stefan Wolfgang Pickl und Ramzi Rizk die Notwendigkeit für die Zertifizierung fotografischer Echtheit in Abgrenzung zu Deep Fakes. Als zukunftsfähige Tools wurden Echtzeitempfehlungen (Änderung des Blickwinkels, Filterempfehlungen etc.) sowie die Möglichkeit, Bilder über die Kamera direkt zu teilen, bewertet.

Datenschutz

Konsens herrschte vor allem in dem von Dr. Fageth angeführten Punkt, dass die Balance zwischen technisch Machbarem und ethischen Aspekten weiterhin sorgsam abgewogen werden muss – trotz starker internationaler Wettbewerber. Ein hohes Datenschutzniveau wurde einstimmig als monetärer Mehrwert erkannt, der zudem für den Wirtschaftsstandort Deutschland spricht. Gleichzeitig waren sie sich einig, dass letztlich aber der Bedienkomfort sowie der Preis über den Markterfolg entscheiden können, zumal die Preisgabe privater Daten – zumindest von einem Teil der Consumer – als vertretbarer Kompromiss betrachtet wird.

Jan Werth und Marian Gläser verwiesen darauf, dass Vertrauensprobleme in KI schon bald an Bedeutung verlieren könnten, weil zunehmend das lokale Edge Computing auf Endgeräten die Cloud-gestützte Verarbeitung von Bildmustern und Nutzerdaten ersetzen kann. Gleichzeitig wird es dank Open Source Software und preisgünstiger Sensorproduktion auch für KMU (Kleine und mittlere Unternehmen) zunehmend erschwinglich, KI-Anwendungen zu entwickeln.

Die neuesten Entwicklungen werden auf der photokina im Mai 2020 an vielen Ausstellerständen zu sehen sein und auch auf den Stages eine maßgebliche Rolle spielen.