photokina: 26.–29.09.2018 08.–11.05.2019

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Ready Player One

Eintauchen in ferne Welten

In „Ready Player One“ flüchten sich Menschen per Datenbrille in eine virtuelle Realität. Auch wenn es sich um einen Science-Fiction-Film handelt, der weit in der Zukunft spielt – technisch möglich ist vieles schon heute.

Das Leben im Jahr 2045 ist trist: Die Menschen haben sich an den Rand des Weltuntergangs gewirtschaftet, beengt wohnen sie in schrottreifen Wohnwagen und Containern. Eine willkommene Ausflucht bieten da Datenbrillen – mit ihnen tauchen die Nutzer stundenlang in eine virtuelle Welt namens „Oasis“ ein. Wer willst du sein? Was willst du machen? Die einzige Grenze in dem Computeruniversum ist die eigene Fantasie.

Der Rahmen, den der Science-Fiction-Autor Ernest Cline im Jahr 2010 beschrieben hatte, diente Steven Spielberg als Vorlage für einen Blockbuster. In „Ready Player One“ erleben Kinobesucher aktuell, wie sich Helden und Schurken im Pixelparadies einen spannenden Wettlauf liefern. Faszinierend an dem Film ist auch: Zurück aus dem Kino, kann man den Protagonisten nacheifern – denn Datenbrillen, mit denen man in Fantasie-Welten eintauchen kann, gibt es schon heute.

Vielfältiges Erlebnisse

So umfangreich wie „Oasis“ sind aktuelle Anwendungen für Virtuelle Realität – kurz VR – zwar noch nicht. Doch bieten Datenbrillen bereits jetzt vielfältige Erlebnisse im Unterhaltungsbereich: Wer will, kann etwa mit einem Avatar durch dreidimensionale Chatrooms streifen, auf Monsterjagd gehen, mit weit entfernten Freunden in einem Computerraum ein Brettspiel spielen oder vom Wohnzimmer aus an Live-Konzerten teilnehmen. Über tausend verschiedene Apps sind beispielsweise für Geräte der Facebook-Tochter Oculus verfügbar, darunter viele kostenlose.

Zumindest einmal ausprobiert hat eine VR-Brille schon fast jeder fünfte Deutsche ab 14 Jahren, ergab im Herbst eine Befragung des Digitalverbands Bitkom. Die Marktforscher von Gartner rechnen damit, dass die Technologie schon in den kommenden zwei bis fünf Jahren ihren Weg aus der Nische findet. Anbieterseitig drängen fast alle großen Computer- und Smartphonehersteller in den Markt.

Ein Bremsklotz bisher: Mit Preisen zwischen 400 und 700 Euro sind die Geräte selbst schon keine Schnäppchen, nötig ist zudem zusätzlich ein Computer mit leistungsstarker Grafikkarte. Doch die Hersteller arbeiten verstärkt an erschwinglicheren Brillen, die man auch ohne zusätzlichen Rechner nutzen kann. Facebook beispielsweise verkauft seit Mai das Einsteigermodell Oculus Go zu Preisen ab 220 Euro. Einen noch günstigeren Einstieg bieten Plastik- oder Papp-Headsets, bei denen eingeschobene Smartphone als Display dienen.

Erschwinglich für jeden

„Man kann von einer Demokratisierung der Technologie reden, da sie für nahezu jeden erschwinglich wird“, sagt Christian Geiger, Professor für Mixed Reality und Visualisierung im Fachbereich Medien der Hochschule Düsseldorf. Trotzdem gebe es noch immer technische Hürden, die noch ungelöst seien. So klagen manche VR-Nutzer über Schwindelgefühle und Übelkeit. Verbesserungsbedarf gibt es auch bei der Steuerung: Bisher navigiert man außer per Kopfbewegung in der Regel mit einem zusätzlichen Controller durch virtuelle Welten.

Elegantere Alternativen sind in „Ready Player One“ zu sehen: Die Nutzer im Film tragen Datenhandschuhe, zudem gibt es spezielle Laufbänder, um sich auf möglichst natürliche Weise in Oasis fortzubewegen. Das erinnert an die VR-Laufställe, die das US-Unternehmen Virtuix entwickelt hat: Eingespannt mit Gurten, können die Nutzer in alle Richtungen gehen – die Bewegungen werden in die virtuelle Welt übertragen. Auch an Ganzkörperanzügen, mit denen die Protagonisten im Film Berührungen in Oasis ganz real spüren, arbeiten Start-ups bereits.

"Magical" experiences required

Ob sich VR dauerhaft im Entertainment-Bereich etabliert, ist nach Einschätzung Geigers aber nicht alleine von der Hardware abhängig. „Ähnlich wie früher die ersten Filmaufnahmen erzeugt VR erst einmal einen Wow-Erlebnis“, sagt der Experte. „Um sich nachhaltig durchzusetzen, sind ‚magische‘ Nutzererfahrungen nötig.“ Das Ziel seien immersive Erlebnisse – Nutzer sollen also gedanklich möglichst tief in die virtuelle Umgebung eintauchen und die reale Welt um sich herum vergessen. Ganz wie die Protagonisten in Spielbergs Film, die in die „Oasis“ ausweichen.

Weiterführende Informationen:

Das Portal VR-World testet regelmäßig Hardware und berichtet über Neuigkeiten aus der Branche.

Wired hat „Ready Player One“ zum Anlass genommen, um neuen VR-Technologien auf den Zahn zu fühlen.