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Social Media und Bildrechte

29.05.2018

Riskantes Teilen

Plattformen wie Pinterest & Co. machen das Weiterverbreiten von Bildern leicht. Doch wer von anderen erstellte Fotos in sozialen Netzwerken verwendet, bewegt sich rechtlich auf dünnem Eis. Worauf Nutzer achten sollten. Teilen, liken, tweeten, pinnen: Soziale Netzwerke laden dazu ein, im Internet aufgestöberte Inhalte weiterzuverbreiten – und die Deutschen machen davon rege Gebrauch. Marktführer Facebook hat hierzulande 31 Millionen Nutzer, die mindestens einmal im Monat vorbeischauen. 1,8 Millionen wöchentlich aktive Nutzer werden beim Kurznachrichtendienst Twitter gezählt. Und die auf Bildsammlungen spezialisierte Plattform Pinterest kommt Schätzungen zufolge auf rund vier Millionen monatliche Nutzer. Als Inspirationsquelle und als Möglichkeit, mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben, sind die Netzwerke nicht mehr wegzudenken. Doch birgt die Nutzung juristische Fallstricke, besonders im Hinblick auf Bildrechte: Schnell tauchen fremde Fotos in eigenen Posts auf der digitalen Pinnwand auf. Das kann in bestimmten Fällen eine Urheberrechtsverletzung sein – und sogar Schadenersatzforderungen nach sich ziehen.

Angestaubtes Urheberrecht

Das große Problem: Das Urheberrecht stammt in weiten Teilen aus einer Zeit, in der soziale Netzwerke noch nicht existierten. Entsprechend finden sich viele Sachverhalte, die Juristen nun diskutieren, im Gesetz nicht explizit wieder. Und Urteile, die eine Orientierung geben können, sind noch rar. „Der Urheber hat (…) das ausschließliche Recht, sein Werk in unkörperlicher Form öffentlich wiederzugeben“, heißt es wörtlich im Gesetzestext. Das bedeutet im Umkehrschluss: Wer ein fremdes Foto weiterverbreiten will – und zwar egal auf welchem Kanal – braucht grundsätzlich eine Zustimmung des Rechteinhabers. Dazu ist nicht unbedingt eine individuelle Vereinbarung nötig. Häufig ist über eine sogenannte Creative Commons Lizenz genau definiert, ob und unter welchen Bedingungen der Online-Inhalt weiterverbreitet werden darf.

Vorsicht bei den Vorschaubildern

So weit, so eindeutig. Doch in der Praxis geht es in sozialen Netzwerken meist gar nicht darum, Fotos von Dritten in voller Auflösung erneut zu veröffentlichen. Hinter den Pinnwänden von Pinterest beispielsweise steht eigentlich eine Sammlung von Links, die jeweils zum digitalen Fundort führen. Auch bei Facebook oder Twitter verlinken Nutzer vielfach auf Nachrichtenartikel, Blogeinträge und andere Webseiten.

Damit die Links schöner aussehen, erzeugen die Netzwerke automatisch kleine Vorschaubilder, sogenannte Thumbnails. Die juristische Streitfrage ist, ob es sich dabei schon um eine öffentliche Wiedergabe im Sinne des Urheberrechts handelt.

Abschließend beantworten lässt sich das aktuell nicht. Aber zumindest in ähnlicher Sache hat der Bundesgerichtshof bereits geurteilt. Die Karlsruher Richter stuften in mehreren Fällen das Anzeigen von Vorschaubildern in Googles Bildersuche als zulässig an. Nach Einschätzung vieler Juristen lässt sich das Urteil auch auf soziale Medien übertragen.

Empfehlungsbutton erleichtern die Entscheidung

Dennoch: Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte das Vorschaubild vor der Veröffentlichung entfernen. Das gilt vor allem dann, wenn der Nutzer den Link selbst aus der Adressleiste seines Internetbrowsers kopiert. Darauf weist etwa Carsten Ulbricht, Rechtsanwalt und Partner bei der Kanzlei Bartsch Rechtsanwälte in Stuttgart, in einem Social-Media-Leitfaden hin.

Wenig risikoreich ist es nach Ansicht Ulbrichts und vieler seiner Kollegen, Vorschaubilder zu nutzen, wenn sich auf Webseiten Empfehlungsbuttons von Pinterest, Facebook & Co. finden. Der Seitenbetreiber dürfte damit sein Einverständnis zum Teilen gegeben haben – und sollte auch entsprechende Nutzungsrechte vom Fotografen oder einer Agentur erworben haben. Davon ist etwa bei Nachrichtenseiten auszugehen.

Plattformen wälzen die Verantwortung ab

Tatsächlich sind Abmahnversuche bisher sehr selten. Aber es kann zu unangenehmen Überraschungen kommen: So ist die Inhaberin einer Fahrschule abgemahnt worden, nachdem sie unter einem „Bild.de“-Artikel über den Fußballer Marco Reus auf den „Teilen“-Knopf von Facebook gedrückt hatte. Der Fotograf sah seine Urheberrechte verletzt, weil sein Name nicht genannt wurde, berichtete die Kölner Kanzlei Wilde Beuger Solmecke vor gut drei Jahren.

Der Fall zeigt auch Unzulänglichkeiten der sozialen Netzwerke: Vorschaubilder lassen sich beispielsweise im Falle von Facebooks „Teilen“-Button nicht entfernen, auch das Einfügen eines Bildnachweises ist nicht vorgesehen. Die Verantwortung wälzen die Plattformen häufig im Kleingedruckten ab: Die Nutzer müssen sich mit der Anmeldung dazu verpflichten, Urheberrechte einzuhalten.

Weiterführende Informationen:

Das Portal iRights.info erklärt, welche Rolle Urheber- und Persönlichkeitsrechte in sozialen Netzwerken spielen.

Heise.de analysiert, ob die Google-Bildersuche zulässig ist – und welche Fragen sich für Nutzer durch Teilen-Funktionen ergeben.